Freitag, 17. Juli 2015

Kleiner Man ganz groß? Ant-Man Review


Kaum zu glauben, aber mit Ant-Man hat Marvel nun das Duzend in seinem Cinematic Universe vollgemacht. Nach dem bombastischen Abschluss von Phase 2 und bevor mit Civil War Phase 3 startet, steht Ant-Man gewissermaßen zwischen den Stühlen. Das merkt man dem Film leider auch ein wenig an. Ich habe das Gefühl, als hätte sich Marvel damals mit der Ankündigung von Ant-Man in eine Sackgasse manövriert und anstatt es einfach zu lassen den Film dann auf Biegen und Brechen heraus gebracht.

Nicht falsch verstehen, es handelt sich nicht um einen miesen Film, die Effekte sind wie man es bei Marvel gewohnt ist absolut tadellos, aber so richtig zünden will der Film auch nicht.

Worum geht es?

Wir erfahren, dass Dr. Hank Pym früher als Ant-Man für Recht und Ordnung gesorgt hat (jedenfalls wird das angedeutet) Ende der 80er hatte er sein Kostüm komplett an den Nagel gehängt und weigert sich das Geheimnis des Pym-Partikels Preis zu geben. Jenes Partikel erlaubt es Gegenstände durch Manipulation der molekularen Zwischenräume zu schrumpfen und wieder zu vergrößern. Nach dem Tod seiner Frau hat er wie gesagt das Kostüm an den Nagel gehängt und es vor der Welt verborgen, weil es zu gefährlich sei.

Sein ehemaliger Protegé und Nachfolger in seinem Unternehmen Darren Cross arbeitet eifrig an seinem eigenen Anzug, dem Yellowjacket, den er meistbietend verkaufen will. Um ihn aufzuhalten heuert Dr. Pym den Meisterdieb Scott Lang an, um als neuer Ant-Man die Sache in Ordnung zu bringen.

So weit so gut, ohne viel zu spoilern.

Wie hat mir der Film denn nun gefallen? Wenn man die Marvel-Messlatte anlegt, dann bleibt er weit hinter einem Guardians oft the Galaxy oder Avengers - Age of Ultron zurück, persönlich würde ich ihn bei den schwächeren Filmen einordnen, also eher bei Iron Man 2. Die Motivation der Figuren ist irgendwie nicht so ganz nachvollziehbar,

Paul Rudd macht seinen Job zwar sehr gut, aber er erinnert mich total an Ryan Reynolds in Green Lantern. Michael Douglas liefert einen soliden Dr. Pym, der Antagonist ist für meinen Geschmack ein bisschen arg farblos, er erinnert mich an eine Mischung aus Lex Luthor und Shinzon aus Star Trek Nemesis. Nicht wirklich mies, aber irgendwie austauschbar.

Ziemlich hölzern fand ich Evangeline Lily als Pyms Tochter Hope Van Dyne. Auch wirkt sie als Figur nicht wirklich ausgereift, was macht sie? Berufstochter mit Kampfsport-Ausbildung. Ihre Motivation ist für mich schwer zu fassen und gewisse Handlungen wirken out-of-character.

Spaß gemacht haben natürlich die Schrumpf-Effekte und die Ameisenmanöver. Der Film fängt sehr lahm, fast schon langweilig an, dann macht er Spaß ab der Stelle in der Scott Lang den Anzug „erhält“, dann kommt das „Große Ding“ im Film, in dem ein Raub… pardon Diebstahl, geplant und ausgeführt wird. Der Schlusskampf ist jedoch zwar visuell ansprechend, aber vorhersehbar und warum Yellowjacket nun ausgerechnet so handelt (ich mag nicht spoilern), ist jedenfalls mir nicht ganz klar gewesen.

War Winter Soldier ein Comic-Polit-Thriller und Guardians oft the Galaxy eine Comic-Space-Opera, haben wir es hier mit einer Art Comicversion von Mission Impossible oder Ocean’s Eleven zu tun, was so lange wie der „Coup“ dauert auch wundervoll funktioniert und Spaß macht.

Fazit:

Bereue ich es im Kino gewesen zu sein? Auf keinen Fall. Ist es ein mieser Film? Auch nicht. Meine Kritik ist Meckern auf sehr hohem Niveau, aber die Messlatte ist von Marvel selber so hoch gesetzt worden. Ant-Man hat irgendwie Spin-Off Charakter, er ist nicht grottig, aber auch nicht der Oberhammer, er ist eben Mittelmaß im Marvel Cinematic Universe.
Dass er nicht Teil der Phasen ist, wie von Kevin Feige gesagt, kann ich nachvollziehen, da er sich nicht in die großen Storylines wie die Infinity Gems oder den kommenden Civil War einfügt. Es gibt natürlich Hinweise, aber nicht in der Form wie zum Beispiel das Auftauchen eines Gems oder die Enttarnung von Hydra. Ganz zum Schluss steht da „Ant-Man will return“, das mag sein, aber ich glaube nicht an einen Solofilm, eher in einem Team.


Update: Offenbar war von Kevin Feige damals nicht gemeint gewesen, Ant-Man gehöre nicht zur Phase 2. Jedenfalls finde ich die Äußerung nirgends mehr. Dennoch steht Ant-Man ein wenig außen vor, wie ich finde.

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